Genetiker verfolgen die Spuren menschlicher Vielfalt
In einer neuen Studie sollen die Bausteine des Lebens erforscht werden. Mit modernsten Einzelmolekularverfahren werden die innersten Vorgänge der DNA-Variationen des Menschen untersucht.
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten von Dr. Shriparna Sarbajna an der britischen Universität Leicester steht der „Rekombinationsprozess", bei dem unser genetisches Material zum Zeitpunkt der Ei- und Spermaproduktion neu angeordnet wird.
Bei dieser Umbildung entstehen neue Kombinationen, die auf zukünftige Generationen übertragen werden. Diese Kombinationen häufen sich über viele Jahre hinweg an und erzeugen dann genetische Variationsmuster, die wir in der heutigen Bevölkerung beobachten können.
Dr. Sarbajna setzt bei ihrer Promotionsforschung Techniken ein, die erstmals von dem weltbekannten Genetiker Prof. Sir Alec Jeffreys zur Analyse von DNA-Molekülen in menschlichen Spermien verwendet wurden. Letztlich geht es unmittelbar darum, Erkenntnisse über Wesen, Ort und Häufigkeit der Änderungen in unserem DNA-Material (DNA = Desoxyribonukleinsäure) zu gewinnen.
Dr. Sarbajna erklärt hierzu: „Diese Studien ermöglichen uns, die Grundlagen der genetischen Variation im Menschen zu untersuchen und eingehendere Erkenntnisse darüber zu gewinnen, auf welche Weise Fehler bei diesem Prozess zu pathologischen Veränderungen führen, wie sie etwa bei Alpha-Thalassämie oder beim Downsyndrom auftreten.
Unsere Forschung hat weitreichende Bedeutung. Sie ermöglicht z.B. Hilfestellung bei der genetischen Beratung, Feststellung der Faktoren, die zu Unfruchtbarkeit und chromosomale Abnormalitäten beitragen, und Erkenntnisse über pathogene Umbildungen, die häufig bei Krebs und einigen Erbkrankheiten zu beobachten sind.
Wenn man herausfindet, inwieweit die Rekombination die Vielfältigkeitsmuster beeinflusst, gewinnt man interessanterweise auch Einblick in Geschichte und Ursprünge verschiedener Völker.
Die Untersuchung des Rekombinationsprozesses ist daher nicht nur für die Grundlagenwissenschaft bedeutsam, sondern liefert auch wertvolle Informationen in zahlreichen anderen Bereichen - von der Medizin über Geschichte bis hin zur Ahnenforschung.
Das Problem besteht eigentlich darin, dass es mittlerweile zwar umfangreiche Kataloge der genetischen Variation des Menschen gibt, aber sehr wenig über die Vorgänge bekannt ist, die überhaupt erst zu dieser Variation führen."
Finanziert wird das Forschungsprojekt von der Royal Society, dem britischen Forschungsbeirat für Medizin und der Louis-Jeantet-Stiftung.


































