Thermometer zur Empfängnisförderung
Die unglaubliche Genauigkeit eines neu entwickelten Körperthermometers eröffnet viele Einsatzmöglichkeiten im medizinischen Bereich - und soll vor allem Frauen erleichtern, schwanger zu werden.
Der drahtlose Sensor der britischen Firma Cambridge Temperature Concepts (CTC) vermag die Körpertemperatur bis auf ein Tausendstel Grad genau zu bestimmen - bei herkömmlichen Geräten ist in der Regel die Präzisionsgrenze bei einem Zehntel Grad erreicht.
„Die verschiedenen Technologien, die wir zur Entwicklung unseres Fühlers eingesetzt haben, gab es vor 5 bis 10 Jahren noch gar nicht", erklärt CTC-Hauptgeschäftsführer Dr. Shamus Husheer. „Die Industrie hatte praktisch jeden Versuch aufgegeben, Thermometer mit einem höheren Präzisionsgrad für Verbraucher herzustellen. Glücklicherweise wussten wir als eine Gruppe von Hochschulabgängern gar nicht, dass das technisch unmöglich war. Als neugegründetes Unternehmen mussten wir uns bei der Problemlösung ohnehin auf unseren Einfallsreichtum verlassen."
Die hohe Genauigkeit des kleinen Sensors und die lange Lebensdauer sind die entscheidenden Merkmale des ersten von der Firma kommerziell angebotenen Produkts mit der Bezeichnung DuoFertility, ein Gerät, mit dem sich der optimale Zeitpunkt für die Zeugung eines Kindes bestimmen lässt.
Bei der Freisetzung einer Eizelle erhöht sich die Körpertemperatur der Frau um rund 0,5 Grad, eine Erhöhung, die leicht durch natürliche Temperaturschwankungen beim Gehen, Sitzen usw. überdeckt wird. Daher wird empfohlen, die Temperatur mithilfe eines Thermometers morgens nach dem Aufwachen, aber noch vor dem Aufstehen zu messen.
Eine Sprecherin veranschaulicht den Vorgang: „Das ist lästig - die Daten müssen per Hand erfasst, in ein Diagramm eingetragen und dann interpretiert werden, um den genauen Zeitpunkt der Temperaturänderung zu ermitteln. Häufig wird der Anstieg erst nach ein oder zwei Tagen deutlich, und dann ist die günstigste Empfängniszeit schon wieder vorbei.
Demgegenüber werden die vom Fühler im Takt von einigen Sekunden erfassten Temperaturdaten zusammen mit weiteren physiologischen Parametern statistisch ausgewertet und mit den Daten anderer Frauen verglichen, die ähnliche Muster aufweisen; auf diese Weise lässt sich der optimale Empfängniszeitpunkt schon einige Tage vorher erkennen, sodass das Paar einen romantischen Abend vorausplanen kann."
Die unwahrscheinlich präzisen Temperaturmessungen ermöglichen die Berechnung der Wärmeströme auf der Hautoberfläche und damit wiederum die Ermittlung der Temperatur im Körperinneren.
Im Zusammenspiel mit einem Bewegungssensor lässt sich dann feststellen, wann sich die Benutzerin im Tiefschlaf befindet und wann unbewusste Bewegungen auftreten, die eine Verstärkung des Blutkreislaufs und eine Störung des thermischen Gleichgewichts des Körpers auslösen. Die auf diese Weise gewonnenen Daten vermitteln ein wesentlich besseres Bild von der Körpertemperatur in der Tiefschlafphase, also genau die Werte, die zur genauen Feststellung des Eisprungs erforderlich sind.
„Wir befinden uns mitten in der Erprobungsphase und erhalten tolle Rückmeldungen von den Nutzerinnen", freut sich Husheer. „Vor allem die Vorhersagbarkeit kommt gut an, denn dadurch kann man vorausplanen und sich entspannen, anstatt sich Stress zu machen, weil man sich nicht sicher ist, ob man anhand der Punkte auf der Temperaturkurve auch den richtigen Zeitpunkt berechnet hat."
Sehr befriedigend sei auch der Gedanke, dass die Versuche mit Paaren stattfinden, bei denen eine Schwangerschaft ausbleibt und die sich deshalb einer teuren Behandlung zur künstlichen Befruchtung unterzogen haben oder dies jedenfalls in Erwägung ziehen. In Rahmen der Versuche sei es einigen Frauen bereits gelungen, schwanger zu werden. „Im Grunde genommen geben wir die Chance, die Herbeiführung einer Schwangerschaft unter optimalen Bedingungen auf natürlichem Weg zu versuchen."
In dem Gerät mit der Größe einer Münze kommen auch neuartige Energiespartechniken zum Einsatz, sodass die Batterie mehr als sechs Monate Strom liefert, anstatt wie sonst üblich nur wenige Tage.
Der Sensor verarbeitet und komprimiert die im Takt von einigen Sekunden erfassten Temperaturwerte. Die Daten werden dann auf einem internen Speicher abgelagert, der 2 Mb Kapazität hat und das Volumen eines Monats fassen kann, und von dort bei Bedarf über Funk an ein Lesegerät übermittelt.
Die Firma Cambridge Temperature Concepts hat ihren Sitz im Cambridge Science Park in Südengland. Das 2007 gegründete Unternehmen benötigte für sein erstes kommerziell angebotenes Produkt - DuoFertility - lediglich 18 Monate von der Anschubfinanzierung bis zur Marktreife.
CTC prüft jetzt, ob sich die Sensoren auch für andere medizinische Zwecke eignen. Denkbar ist etwa die Überwachung von Infektionsverläufen, wobei die hochempfindlichen Temperaturmessungen neue Behandlungsmethoden ermöglichen könnten.

































