Leberkrebsbehandlung mit Mikrowellen stößt auf internationales Interesse

23 February 2010
Science & Technology » Medical     STM_13603
Read full story in other languages :
International Interest In Using Microwaves To Treat Liver Cancer La communauté internationale s’intéresse aux avantages des micro-ondes pour le traitement du cancer du foie マイクロ波を使用した肝癌治療に世界の注目が 微波治疗肝癌引起国际兴趣 Uso de Microondas no Tratamento do Câncer do Fígado desperta Interesse Internacional Gran interés internacional en el tratamiento del cáncer hepático con microondas

Mehr als 50 der weltweit größten Leberkrebszentren setzen inzwischen Mikrowellengeräte im Rahmen einer in Großbritannien entwickelten Behandlungsmethode für Leberkrebspatienten ein.

David Lloyd, Chirurg in der mittelenglischen Stadt Leicester, hat eine Sonde entwickelt, die mithilfe von Mikrowellenenergie Leberkrebsgewebe abtöten kann. Über 100 Patienten in Großbritannien und 100 weitere Menschen aus aller Welt wurden bereits behandelt.

Die Verwendung von Mikrowellen zur Krebsbehandlung erweist sich als äußerst erfolgreich. Weltweit sterben jährlich rund eine Million Menschen an Leberkrebs, bei einer weiteren Million sind Todesursache die in die Leber gestreuten Metastasen anderer Tumore etwa aus dem Darm.

Erkrankungen an Primärtumoren in der Leber nehmen in der westlichen Welt zu und sind in Asien sowie im Fernen Osten als Begleiterscheinung endemischer Hepatitis B und C weit verbreitet. Die meisten Leberkrebse gelten als inoperabel, jedoch könnte die Entwicklung dieser Mikrowellengeräte Behandlungsmöglichkeiten für Tausende von Patienten eröffnen.

David Lloyd, der als Facharzt für Chirurgie in den Universitätskliniken in Leicester tätig ist, hat sich auch einen Ruf wegen seiner innovativen Arbeit im Bereich minimal-invasiver Eingriffe erworben.

Seine in Zusammenarbeit mit Prof. Nigel Cronin und Dr. Peter Clegg an der westenglischen Universität Bath durchgeführte Forschung hat zur Entwicklung und Herstellung eines Mikrowellengenerators mit Sonde geführt, der von der britischen Firma Acculis gefertigt wird.

Viele der 100 behandelten Leberkrebspatienten, deren Lebenserwartung ursprünglich auf weniger als 12 Monate geschätzt wurde, konnten geheilt werden - oder zumindest wirkte die Operation lebensverlängernd.

Über ein Drittel der Patienten sind nach drei Jahren immer noch am Leben und wurden schlicht und einfach als geheilt entlassen. Als erster Patient wurde einer der Erkrankten entlassen, die Lloyd vor neuen Jahren im Rahmen seiner Versuche behandelt hatte. Mehrere andere sind auch fünf Jahre nach der Behandlung noch gesund.

David Lloyd erklärt die immense Bedeutung dieser Anwendung der Mikrowellentechnik: „Das Verfahren ist deshalb so bedeutsam für die Behandlung von Leberkrebs, weil wir jetzt Menschen operieren können, bei denen dies früher als zwecklos galt.

Einem an Leberzirrhose erkrankten Menschen kann man mit herkömmlichen Operationsmethoden einen Tumor nicht entfernen, wir können jedoch eine Mikrowellensonde mit minimal-invasiven oder perkutanen Verfahren, d.h. durch die Haut, einführen und damit die Tumore zerstören."

Dank der bahnbrechenden Forschung in den Universitätskliniken Leicester ist der Mikrowellengenerator jetzt sogar z.B. in Hongkong, Singapur, in den USA und Australien im Einsatz.

Die Mikrowellentechnik hat sich insbesondere in den Spitzenkrebskliniken in den USA durchgesetzt, darunter das Memorial Sloan-Kettering Cancer Institute in New York, die Johns Hopkins University in Baltimore und das M D Anderson Cancer Center in Texas.

Noch einmal David Lloyd: „Wir haben mehrere Geräte in Frankreich und in der Schweiz installiert - viele der bekanntesten Leberchirurgen arbeiten inzwischen mit dem Generator. AUGIS, der Verband der britischen und irischen Chirurgen für den oberen Magen-Darm-Trakt, hat eine weltumspannende Datenbank angelegt, in der die globalen Daten dokumentiert und abgeglichen werden. Damit arbeiten die führenden Leberchirurgen der Welt erstmals in dieser Form zusammen."

Da Lloyd seinerzeit der einzige Operateur mit dieser Spezialausrüstung war, überwiesen Kollegen aus aller Welt Patienten zur Behandlung an ihn. Nach eigenen Angaben freut er sich sehr, dass das Mikrowellengerät jetzt auch in anderen Zentren eingesetzt wird. In Großbritannien sind jetzt die großen Lehrkrankenhäuser in Liverpool, Manchester, Leeds, Basingstoke, London und Edinburgh mit den Generatoren ausgestattet.

Gegenüber anderen Methoden, die zur Zerstörung von Tumoren dienen - etwa Laser, Ultraschall und Funkfrequenzen (die ähnlich wie elektrischer Strom wirken) -, hat die Mikrowellentechnik den Vorteil, dass der Eingriff wenig Zeit in Anspruch nimmt und Krebszellen ohne nennenswerte Nebenwirkungen abgetötet werden.

„Mikrowellen richten keinen Schaden in anderen Körperbereich an", erläutert David Lloyd. „Sie erhitzen ausschließlich das Gewebe, das mit der Sondenspitze in Berührung kommt, und senden keine weitere Energiewellen durch den Körper. Mittlerweile können wir in vier bis sechs Minuten sehr große Tumoren von bis zu 6 bis 8cm behandeln. Damit eignet sich das Verfahren besonders in Fällen, in denen mehrere Tumoren vorhanden sind, deren Behandlung mit anderen Techniken womöglich Stunden dauern würde.

Aus aller Welt sind Menschen nach Leicester gekommen, das in diesem Bereich wirklich bekannt geworden ist. In den vergangenen zehn Jahren bin ich zu jedem Kongress über Leberchirurgie in Europa, ja in der ganzen Welt, eingeladen worden, um über diese Entwicklung zu berichten. Das Interesse ist enorm, da andere Energieformen frustrierenderweise keine Ergebnisse geliefert haben. Das Acculis-Systen ist sicher, schnell, lässt sich reproduzieren, und es funktioniert.

Bei richtiger Anwendung ergeben sich keine Nebenwirkungen, aber gerade weil es sich um ein so leistungsfähiges Gerät handelt, muss man sehr vorsichtig damit umgehen. In der Regel arbeite ich mit einem Radiologen zusammen, damit die Mikrowellensonde präzise platziert werden kann."

Die Anlagen kosten 15000 bis 20000 Pfund, die Sonden noch einmal 1000 (pro Patient). Im Vergleich zu anderen Behandlungsformen ist das nicht übermäßig teuer. Bei einer Chemotherapie belaufen sich Kosten auf 2000 bis 3000 Pfund im Monat für die Therapie selbst und bis zu 3000 Pfund pro Tag für ein Bett auf der Intensivstation. Eine solche Intensivversorgung ist bei der Mikrowellentechnik nicht erforderlich.

Als Nächstes soll erforscht werden, inwieweit das Verfahren bei noch größeren Tumoren im Bereich 8 bis 10cm eingesetzt werden kann. Außerdem sind weltweite Untersuchungen über die Einsatzmöglichkeiten von Mikrowellen zur Behandlung von Tumoren außerhalb der Leber, etwa Lungen- und Nierenkrebs, geplant.

Mithilfe staatlicher Gelder befasst sich die Fa. Acculis jetzt auch mit der Heilung von Knochenkrebs und arbeitet zusammen mit Radiologen in London an einer Behandlung von Knochenablagerungen. Darüber hinaus wird die Technik bereits auch in Fällen von Lungen- und Brusttumoren eingesetzt. Gespräche über die Erforschung der Einsatzmöglichkeiten bei Hirntumoren befinden sich in der Anfangsphase.

David Lloyd untersucht auch eine mögliche Verwendung zur Blutstillung bei Operationen wie etwa der Implantation von Hüftprothesen, was seiner Meinung nach Tausende von Bluttransfusionen entbehrlich machen könnte. 

Add to Your Saved Stories Add to Your Saved Stories

Contact Information:

Name: Ather Mirza, Press Office, Leicester University
Website: www.le.ac.uk
Telephone: +44 (0)116 252 3335
Email: pressoffice@le.ac.uk
Address: University of Leicester, University Road, Leicester, United Kingdom, LE1 7RH
Latest News in UK Trade & IndustryLatest News in UK Trade & Industry RSS
Latest News in UK Science & TechnologyLatest News in UK Science & Technology RSS
Latest News in UK Creative & DesignLatest News in UK Creative & Design RSS
Latest News in UK EnvironmentLatest News in UK Environment RSS
Search London Press Service images