So macht Schlaganfall-Reha Spaß
Britische Wissenschaftler entwickeln derzeit eine Rehabilitationstechnik für Schlaganfallpatienten - Computerspiele zu Hause.
Therapeuten, Ärzte, Ingenieure und Psychologen der Universität Southampton in Südengland haben gemeinsam eine neue Initiative mit dem Kürzel ARM (Assessment, Rehabilitation, Movement = Beurteilung, Rehabilitation, Bewegung) ins Leben gerufen, bei der auf ganz neue Art Konzepte aus dem Bereich der Industrieroboter übernommen werden, um Patienten nach einem Schlaganfall die Wiedergewinnung der Kontrolle über Arm- und Handbewegungen zu ermöglichen.
„Unserer Meinung nach ist es wichtig, dass die Patienten bei der Genesung Spaß haben", sagt Prof. Jane Burridge vom Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Universität Southampton. „Oftmals sind sie sogar kaum dazu zu bewegen, mit den Computerspielen aufzuhören.
Nach unserer Kenntnis hat noch niemand diese Technik - verstärkende Lernkontrolle - dazu genutzt, Schlaganfallopfer zu mobilisieren; im Mittelpunkt der Forschung über die Folgen eines Schlaganfalls sowie der entsprechenden Rehabilitation stand das Gehen. Wir halten ARM für ein gutes Beispiel dafür, moderne Steuerungstheorie, die normalerweise für Industrieroboter gilt, auch auf Rehabilitationsmaßnahmen anzuwenden."
Prof. Burridge ist Leiterin des ARM-Teams, das als erstes mit einem derartig umfassenden Lösungsansatz an die Mobilisierung der oberen Gliedmaßen nach einem Schlaganfall herangeht.
Mit dem bahnbrechenden Verfahren, das von Wissenschaftlern des Fachbereichs Elektronik und Computerwissenschaften der Universität in Zusammenarbeit mit Kollegen der gesundheitswissenschaftlichen Fakultät entwickelt worden ist, sollen geschwächte oder gelähmte Armmuskeln aktiviert werden, wenn ein Patient durch einen Schlaganfall eine Hirnschädigung erlitten hat.
Nach erfolgreichen Pilotversuchen an der Universität setzten die ARM-Forscher das Verfahren in Computerspielen zur Wiederherstellung der Hand- und Armfunktionen ein. Ihre Arbeit ist auf erhebliches Interesse gestoßen, hat viel Aufmerksamkeit erregt und wurde mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.
Man könne mithilfe der Ergebnisse moderner Ingenieurwissenschaft den Menschen reale und praktische Hilfe leisten, erklärt Prof. Burridge. Es gehe aber auch um grundlegende Erkenntnisse über die Fähigkeit des Gehirns, nach einem Schlaganfall wieder die Steuerung der Arm- und Handbewegungen zu übernehmen. Diese Forschung sei zur Entwicklung und Erprobung neuer Behandlungsmethoden unerlässlich.
Gemeinsam mit dem ARM-Team konnten sich Krankenhäuser des nationalen Gesundheitsdienstes und die beiden englischen Universitäten Bournemouth und Keele Finanzmittel des Nationalen Instituts für Gesundheitsforschung in Höhe von 2 Millionen Pfund sichern, um die Rehabilitationstechnik aus der Laborphase landesweit in die praktische Gesundheitsversorgung vor Ort zu überführen.
Noch einmal Prof. Burridge: „Durch die Zusammenstellung einer disziplinübergreifenden Gruppe und die Bündelung der Erkenntnisse und Erfahrung ihrer Mitglieder wollen wir die Lebensqualität von Schlaganfallopfern verbessern, indem wir ihnen helfen, ihre Arme wieder gebrauchen zu können. Bei dieser neuen Technik können die Patienten feststellen, welche Fortschritte sie machen, selbst zur Steigerung ihrer Leistung beitragen und sich dabei auch noch amüsieren!"
Mit rund 500 Wissenschaftlern und 900 Studenten gehört der Fachbereich Elektronik und Computerwissenschaft der Universität Southampton zu den weltweit größten und erfolgreichsten integrierten Forschungsgruppen in den Bereichen Computerwissenschaft, Softwareentwicklung, Elektronik, Elektrotechnik und Informationstechnologie.

































